Prinzessinnen befreien, die Erde retten, zahllose Rätsel knacken – das alles ist heute keine Besonderheit mehr. Doch wo haben diese Steine ihren Ursprung? Wann rettete man in der Videospielgeschichte das erste Mal seine Prinzessin und wo gab es die ersten Rätsel? Eine Suche nach den Wurzeln der Videospielgeschichte.
Wie alles begann
Der erste Sieg über einen Bossgegner ist genauso befriedigend, wie der erste Eintrag in eine Highscore-Liste. Solche Ereignisse nehmen wir als Konsumenten moderner Unterhaltungs-Software als selbstverständlich hin – aber woher kommen diese Elemente, die das Videospielen heute so prägten? Es gab sie ja schließlich nicht schon von Anfang an, also wie sind sie entstanden? Wo liegen die Wurzeln des PC- und Videospielens?
Anno 1968, als der deutschstämmige US-Amerikaner Ralph Baer einen ersten Prototyp der „Odyssey“-Konsole von Magnavox gelötet hatte? Oder im Jahr 1971, als Nolan Bushnell und Ted Dabney den Spielbegeisterten mit dem ersten kommerziellen Spielhallen-Automaten „Computer Space“ das Kleingeld aus den Taschen ziehen wollten – und scheiterten? Ein Jahr später, als das gleiche Team mit „Pong“ das Videospiel in alle Welt trug? Oder geht die Erfindung der Meilensteine doch auf das Jahr 1948 zurück? Da meldeten nämlich die zwei Amerikaner Thomas T. Goldsmith Jr. und Estle Ray Mann ein Patent für eine Konstruktion aus acht Kathodenröhren an, auf der man eine simulierte Rakete abschießen und mit Drehreglern ins Ziel steuern konnte. Freilich nur als Konzept. Muss daher doch eher das Jahr 1953 als Geburtsstunde des Videospieles gelten? Immerhin haben US-Wissenschaftler damals schon „OXO – Noughts and Crosses“ – zu deutsch „Drei gewinnt“ oder „TicTacToe“ – auf dem so genannten „EDSAC“-Computer (Electronic Delay Storage Automatic Calculator) gespielt, allerdings als rein textbasierte Geschichte.
Namcos „Pacman“ von 1980 bietet auch heute noch das Highscore-Fieber.
Die erste Highscore-Jagd
Häufig wird „Tennis for Two“ des amerikanischen Physikers Wiliam Higinbotham als erstes Computerspiel bezeichnet. Übrigens keine sehr platzsparende Angelegenheit: „Tennis for Two“ brauchte einen Analogcomputer, einen 5 Zoll großen Oszillographen und diverse andere Teile auf einer Gesamtbreite von knapp fünf Metern. Gespielt wurde mit zwei kleinen Kisten, einem Knopf für den Schlag und einem Knauf um den Abprallwinkel einzustellen. Gezeigt wurde das ganze 1958 am Tag der offenen Tür im Brookhaven national Laboratory im US-Bundesstaat New York. Freilich eine sehr kleine Veranstaltung - von kaum jemandem wahrgenommen. Viele Hunderttausende und Millionen Mensche erinnern sich an ihr „erstes Mal“ in den 70er- und 80er-Jahren, an den damals in Restaurants und Spielhallenautomaten noch sehr viel stärker als heute verbreiteten Videospielautomaten, zum Beispiel an „Pong“. Oder an das U-Boot-Actionspiel „Sea Wolf“- das erste Spiel mit einem Highscore-Zähler und damit Auslöser des Fiebers, das noch heute Massen von Spielern an den Bildschirm fesselt. Vor allem beliebt bei Xbox 360-Spielern, wo sich die Jagd nach dem höchsten Gamerscore momentan zu einer Sportart entwickelt, die Hunderttausende antreibt. Und seit wann gibt’s folgende Höhepunkte in Actionspielen: Bossgegner, die größte Herausforderung, die sich ein Gamer stellen kann? Auf welchen Urahnen berufen sich Mother Brains aus „Metroid“, Ganon aus „Zelda“ und Perseus aus „God of War 2“? Die Suche nach deren DNS endet im Jahr 1980, bei Taitos Weltraumballerei „Phoenix“. Nachdem zahlreiche kleine Alien-Angreifer den Laser zu schmecken bekommen hatten, schob sich ein Mutterschiff in den Bildschirm und blies zum Kampf auf Leben und Tod. Die erste richtig dicke Konfrontation, die Klimax des Videospiels war erfunden.
Erster Boss der Videospielgeschichte in „Phoenix“ von Taito.
Die dritte Dimension
Auch der heute so selbstverständliche Motivationsschub durch die Lockungen neuer Herausforderungen auf hintereinander gestaffelte Etappen ist keine Selbstverständlichkeit. Erst Midways Weltraumshooter „Gorf“ nahm einen im Jahr 1981 mit auf die Reise durch insgesamt fünf komplett unterschiedliche Levels. Es ist übrigens außerdem das erste Videospiel mit einer ernst zu nehmender Sprachausgabe. Auch die 3D-Polygon-Grafik hat ihren Ursprung in der Spielhalle. Bereits 1983 erschien mit „I, Robot“ von Atari das erste kommerzielle Spiel, das seine Grafik aus dreidimensional berechneten Vielecken zusammensetzt und dadurch den Eindruck von Räumlichkeit erzeugt. Die Flucht des „Interface Robot“ vor dem alles sehenden roten Auge: Vorreiter für die Grafik von heute. Dass der erste Sieg in einer simulierten Kampfsport-Arena bereits vor knapp 30 Jahren gefeiert wurde, wer hätte das gedacht? „Warrior“ hieß die Produktion der US-Automatenfirma Vektorbeam aus dem Jahr 1979. Hier vertrimmen sich zwei aus simplen Vektoren geformte Ritter mit überdimensionalen Schwertern. Aufgrund technischer Limitierungen konnten Figuren und Hintergrund nicht auf einem Bildschirm, dargestellt werden – deshalb wurde der Hintergrund einfach auf Papier gedruckt und das Spielgeschehen einfach mit einem Spiegel drauf projiziert. Die erste Einer-gegen-Einen-Prügelei moderner Machart hat Sega 1976 in die japanischen Spielhallen gebracht. „Heavyweight Champion“, so der Name des Sega-Frühwerks, verdient sich seinen Titel als Schwergewicht zu Recht, handelt es sich doch um das erste Boxspiel und das erste kommerzielle japanische Videospiel überhaupt. Einen Grund mehr, sich auf das aktuelle „Virtua Fighter 5“ der Japaner zu freuen.
Das erste Knöpfchendrücken
Wer seinen ersten Quicktime-Event in der Sony-Produktion „God of War“ oder in Eidos’ „Tomb Raider Legend“ erlebt hat, weiß wie moderne Knöpfchendrück-Hast aussieht. Tatsächlich ist es seitdem wieder groß in Mode, Zwischensequenzen oder Abschnitte auszulösen, in denen man auf dem Bildschirm angezeigte Tasten rechtzeitig auf dem Controller tippen muss. Die kniffligen Timer-Spielereien haben aber schon etliche Jahre auf dem Buckel: Cinematronics Laserdisc-Automat „Dragon’s Lair“ von 1983 setzt ebenfalls auf eine Reihe vorgefertigter Animationen, die nur dann abgespielt werden, wenn man zur rechten Zeit die richtige Taste drückt. Der heute dafür gebräuchliche Begriff „Quicktime-Event“ wurde allerdings erst sehr viel später durch Sega populär gemacht; in den Minigames aus dem Prügelspiel „Die Hard Arcade“ von 1996 und in Yu Suzukis Mammutprojekt „Shenmue“ auf der Dreamcast-Konsole.
Es gibt natürlich auch andere Erfindungen, die weniger intensiv im Gedächtnis haften bleiben. Welche Gefühle löst zum Beispiel jene Erfindung aus, der wir es zu verdanken haben, heute ein Videospiel nicht mehr von Anfang bis Ende an einem Stück durchspielen zu müssen? Kaum einer denkt dran, doch die Speicher-Funktion ist mit eine der wichtigsten überhaupt. Damals in ersten Schritten noch mit komplizierter Passworteingabe für jedes Level nötig, ist das einfache Auswählen und Laden des letzten Spielstandes heute einfacher denn je. Das erste Mal den Zustand eines Helden in einem von drei Speicherslots ablegen – diese Erinnerung ist auf ewig mit „Legend of Zelda“ für die NES-Konsole verbunden. Und das erste Mal, dass jemand zu Hause einen silbrig glänzenden Datenträger in das Laufwerk seines PCs eingelegt hat, um ein Spiel zu starten? 1991 bei Icoms Abenteuer-Game „Sherlock Holmes: Consulting Detective“. Heute, nach 16 Jahren gibt es bereits die großen Brüder der CD – Blu Ray-Disks und HD-DVDs. Lassen wir uns überraschen, was uns in der Zukunft erwarten wird.
Das erste Quicktime-Event gab es in "Dragon’s Lair" von Cinematronics.
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